Die Künstlerin Christin von Wels sitzt in ihrem Kunstatelier vor einem großformatigen abstrakten Wolkengemälde. Das Bild zeigt atmosphärische Himmelslandschaften in Blau- und Goldtönen im warmen Sonnenlicht neben Pinsel und Farbtuben auf einem Arbeitstisch.

Christin von Wels

Himmelslandschaften und Wolkenbilder

In meiner Malerei widme ich mich der Erschaffung abstrakter, atmosphärischer Bildräume, die ich unter dem Titel Himmelslandschaften zusammenfasse. 

Ich lebe in Hamburg und verbringe viel Zeit in Schleswig-Holstein, im beschaulichen Hohwacht an der Ostsee. Dort wohne ich fußläufig zum Strand und erlebe hautnah die Jahreszeiten, den Wind, die Sonnenuntergänge, die Kraft des Meeres und der Natur. Hier finde ich die Inspiration für meine Himmelslandschaften und Wolkenbilder.

Meine Bilder erzählen von dem besonderen Gefühl, das stimmungsvolle Landschaften und Himmel in mir auslösen. Ich bin immer wieder fasziniert von der Weite und den gewaltigen Wolken, den einzigartigen Farben, dem sich schnell verändernden Licht und den wechselnden Formen und Mustern. Oft verliert sich mein Blick in den Wolken. Denn das, was über uns liegt, erscheint mir unendlich. Es liegt außerhalb realer Zusammenhänge und überlässt es jedem selbst, sich dort wiederzufinden – mit dem eigenen Erlebten, den eigenen Gedanken und offen für Revision, für Weiterdenken, für mögliche Fortsetzungen.

Wolken ziehen ohne Ziel.
Sie wissen nichts von uns
und tragen doch
 –  für einen Moment  –
unsere Gedanken.

Signatur Christin von Wels Kunst
Künstlerin Christin von Wels im Profil bei der Arbeit an einem großformatigen abstrakten Wolkenbild. Das Schwarz-Weiß-Foto zeigt den Entstehungsprozess einer atmosphärischen Himmelslandschaft und die feinen Nuancen der abstrakten Kunst im Atelier.
Nahaufnahme von zwei runden Pinseln vor einem abstrakten Wolkenbild von Christin von Wels. Die Schwarz-Weiß-Fotografie zeigt die feinen Strukturen einer atmosphärischen Himmelslandschaft und den künstlerischen Prozess im Atelier.
Künstlerin Christin von Wels in dynamischer Bewegung bei der Arbeit an einem abstrakten Wolkenbild. Das Schwarz-Weiß-Foto mit Bewegungsunschärfe zeigt den Entstehungsprozess einer atmosphärischen Himmelslandschaft im Atelier

Malweise & Prozess

Bei meinen Arbeiten steht für mich nicht die Wiedergabe der Realität im Vordergrund, sondern die Verdichtung von Emotionen und Stimmungen. Ich male hauptsächlich mit Acryl auf Leinwand und trage immer wieder feine Farbschichten auf.

Bei diesem schichtweisen Vorgehen spielen Transparenz und Überlagerung eine zentrale Rolle. Die Werke entwickeln sich über längere Zeiträume hinweg; dabei prägt besonders der Einsatz großformatiger, runder Pinsel die Bildentstehung. Auf diese Weise entwickeln sich wolkenartige Strukturen, in denen Licht und Tiefe allmählich Schicht für Schicht sichtbar werden.

Obwohl ich bevorzugt auf größeren Leinwänden male, erstelle ich parallel dazu Studien und Himmelslandschaften in kleineren Formaten.

Vita & Philosophie

Farben und Formen begleiten mich schon mein Leben lang. Nach dem Abitur absolvierte ich ein Studium für Grafik und Design am renommierten „Alsterdamm“ in Hamburg, u.a. bei dem Hamburger Künstler Lothar Walter und bei Prof. Martin Andersch.

Anschließend arbeitete ich in leitenden Positionen bei internationalen Werbeagenturen und gründete die Marken- und Designagentur CATFISH CREATIVE®, die ich seit über 20 Jahren erfolgreich führe. Für meine Arbeiten wurde ich vielfach ausgezeichnet, unter anderem vom Art Directors Club (ADC), mit dem German Brand Award und beim Cannes Lions International Festival of Creativity.

Heute liegt mein Schwerpunkt auf der Malerei. In meiner künstlerischen Arbeit verschmelzen meine berufliche Erfahrung und die Disziplin des strategischen Designs mit der Freiheit der Abstraktion zu einer Einheit.

Für mich ist die Malerei Kommunikation ohne Worte. Ich übersetze das Unsichtbare – die Seele einer Marke oder die Stimmung eines Augenblicks – in eine sichtbare Form. Was bleibt, wenn das Überflüssige weicht? Aus dieser Suche nach dem Wesentlichen entstehen Formen, Farbkompositionen und das bewusste Spiel mit Licht und Tiefe.

Der Kontrast von Hell und Dunkel ist ein wiederkehrendes Thema in meiner Arbeit. Er beschreibt Stille und Sturm, Tag und Nacht, Licht und Schatten – und im übertragenen Sinn auch die Dualität des Lebens mit Freude und Trauer, Gut und Böse, Leben und Tod sowie die ewige Sehnsucht nach Frieden und Hoffnung.

Meine Bilder lassen bewusst Spielraum für Interpretationen. Sie schaffen einen ganz persönlichen Moment für individuelle Gedanken, die eigene Stimmung, für Erinnerungen oder auch einfach für einen Augenblick der Ruhe, des Innehaltens und des Hineinträumens.

Blick durch das Schaufenster einer Galerie mit Blick auf die ausgestellten bilder - eines davon ist das Wolkenbild 'The Unknown'
Dyptichon von 2 blau-weissen Wolkenbildern an einer schwarzen Galeriewand schräg fotografiert
Foto von der Hängung des Bildes Summer Light in der Ausstellung in Bücher am Markt Lütjenburg.

Ausstellungen 2026

Himmelslandschaften – Christin von Wels
Originale & handsignierte Prints

2. Juli – 31. August 2026
Bücher am Markt, Markt 21, 24321 Lütjenburg
Ausstellungsbeginn 2. Juli 2026, 17 Uhr
zur Lesung von Lars Haider,
Chefredakteur des Hamburger Abendblatts
Buch: „Am Ende der Straße die Schlei“

 

Am 6. August 2026
In der Pop-up Fläche: Markt 24, 24321 Lütjenburg
Veranstalter: Bücher am Markt
Beginn 6. August 2026, 18.30 Uhr
Anläßlich der Lesung von Meike Winnemuth, 
Journalistin und Buchautorin
Buch: „Eine Seite noch“

 

30. Mai – 13. Juni 2026
Galerie Dekorat, Holstenstraße 7, 24534 Neumünster
Vernissage 30. Mai 2026 ab 18 Uhr 
im Rahmen der Kultournacht Neumünster

Rezension

von Wilhelm Bühse
museumspädagogischer Leiter der Herbert Gerisch-Kunststiftung

von Wilhelm Bühse
museumspädagogischer Leiter der
Herbert Gerisch-Kunststiftung

»  Himmelslandschaften – zwischen Sichtbarkeit und Auflösung  «

Die Himmelslandschaften von Christin von Wels sind der zeitgenössischen abstrakten Acrylmalerei zuzuordnen. Christin von Wels verzichtet konsequent auf gegenständliche Motive oder erzählerische Elemente und konzentriert sich stattdessen auf Farbe, Licht und Tiefe. So entsteht eine sphärische Ausdehnung, die sich dem Blick öffnet, ohne sich festzulegen.

Ihre Arbeiten sind keine Abbilder, sondern eröffnen atmosphärische Räume – still, offen, schwebend. Sie bewegen sich zwischen Nähe und Ferne, Dichte und Transparenz und erzeugen Zustände zwischen Wahrnehmung und Empfindung, zwischen Sichtbarkeit und Auflösung. Die zum Teil großformatigen Bilder wirken wie offene, innere Landschaften. Sie laden ein, zu entschleunigen, zu verweilen und wahrzunehmen. Diese Wahrnehmung entsteht nicht durch Erkennen, sondern durch Verweilen.

Die Arbeiten von Christin von Wels sind weniger als abgeschlossenes Werk denn als offenes Feld zu verstehen. Sie behaupten nichts, sie bieten an. Sie bleiben durchlässig, verletzlich, unabgeschlossen. Gerade darin liegt ihre künstlerische und intellektuelle Stärke.

Das vorliegende Bild entzieht sich bewusst der Logik des abgeschlossenen Werkes.

Es versteht sich weniger als Resultat einer formalen Entscheidungskette denn als Momentaufnahme eines fortlaufenden malerischen Prozesses. In dieser Haltung liegt eine deutliche Abkehr vom Plakativen, vom demonstrativ Setzenden, vom eindeutig Lesbaren. Stattdessen operiert die Arbeit im Modus des Vorläufigen, des tastenden Suchens, in dem das Experiment nicht als Durchgangsstadium, sondern als eigenständiger Zustand ernst genommen wird.

Die Farbigkeit entfaltet sich in einem Spannungsfeld zwischen dunklen, tiefen Blau- und Schwarzwerten und warmen, nahezu glühenden Orange-, Ocker- und Rosétönen. Diese Polarität ist jedoch nicht als klassischer Farbkontrast organisiert, sondern als fließender Übergang. Die Farben stoßen nicht hart aufeinander, sie durchdringen sich, überlagern sich, verlieren an Eindeutigkeit. Farbe fungiert hier nicht als Mittel der Abgrenzung, sondern als Träger von Zuständen. Sie wird nicht gesetzt, sondern entwickelt, geprüft, wieder relativiert.

Das Wolkenhafte, das sich als visuelle Struktur durch das gesamte Bild zieht, ist dabei nicht naturalistisch zu lesen. Es verweist weder auf eine konkrete Landschaft noch auf eine meteorologische Situation. Vielmehr knüpft es an eine lange kunsthistorische Tradition an, in der Dunst, Nebel und atmosphärische Unschärfe als Mittel eingesetzt wurden, um das Sichtbare in ein Verhältnis zum Unsichtbaren zu setzen. Bereits in der Malerei der Romantik fungierten wolkenartige Formationen als Projektionsflächen für das Erhabene, für das Unbestimmbare, für das, was sich rationaler Erfassung entzieht. Diese Tradition wird hier aufgenommen, jedoch von ihrem narrativen und symbolischen Ballast befreit.

Statt einer Landschaft entsteht ein Raum ohne klare Verortung. Der Bildraum ist weder innen noch außen, weder oben noch unten eindeutig bestimmt. Er ist sphärisch im eigentlichen Sinn: ein Raum der Umhüllung, der Schwebe, der Orientierungslosigkeit. Die Auflösung der Kontur spielt dabei eine zentrale Rolle. Formen erscheinen nur fragmentarisch, sie verdichten sich kurzzeitig, um sich im nächsten Moment wieder aufzulösen. Diese Instabilität ist kein Zufall, sondern konstitutiv für die Arbeit. Sie verweigert die Fixierung und hält den Blick in Bewegung.

In kunsthistorischer Hinsicht lässt sich das Werk im Spannungsfeld zwischen informeller Malerei, abstraktem Expressionismus und zeitgenössischer Prozessmalerei verorten, ohne sich eindeutig einer dieser Strömungen zu unterwerfen. Anklänge an die Farbnebelfelder eines Mark Rothko sind ebenso spürbar wie an die verwischten Bildräume Gerhard Richters oder an die materialbezogenen Experimente der Nachkriegsabstraktion. Entscheidend ist jedoch, dass diese Bezüge nicht zitathaft erscheinen, sondern in eine eigenständige malerische Haltung überführt werden.

Philosophisch betrachtet thematisiert das Bild einen Zustand des Dazwischen. Es bewegt sich zwischen Kontrolle und Loslassen, zwischen Intentionalität und Zufall, zwischen Materie und Immaterialität. Das Experimentelle zeigt sich nicht als expressive Geste oder als demonstrative Grenzüberschreitung, sondern als stille Beharrlichkeit im Unfertigen. Entscheidungen bleiben sichtbar, aber sie werden nicht finalisiert. Das Bild hält sich offen für Revision, für Weiterdenken, für mögliche Fortsetzungen.

In dieser Offenheit liegt eine bewusste Gegenposition zu einer Kunst, die auf schnelle Lesbarkeit oder eindeutige Botschaften zielt. Das Bild fordert Zeit. Es verlangt ein Sehen, das sich nicht auf den ersten Eindruck verlässt, sondern bereit ist, Unschärfen, Ambivalenzen und Leerstellen auszuhalten. Gerade dadurch entsteht ein Resonanzraum, in dem sich Wahrnehmung, Erinnerung und Projektion überlagern.

Das Sphärische fungiert hier nicht nur als formales Prinzip, sondern als Denkfigur. Es verweist auf Zustände jenseits klarer Kategorien, auf Übergänge und Zwischenräume. Das Bild wird so zu einem Ort des Nachdenkens über Wahrnehmung selbst: über ihre Fragilität, ihre Subjektivität, ihre Abhängigkeit von Zeit und Aufmerksamkeit. Es zeigt nicht, was ist, sondern wie etwas werden kann.

Wilhelm Bühse

„The Night Comes“, 2025, Acryl auf Leinwand, 100 x 80cm

Künstlerprofil